11 April 2016

Low Carb Spaghetti - oder: Die Kunst sich zu bescheißen


Neulich war ich bei einer Freundin zu Besuch, die mich unbedingt mal bekochen wollte. Also gut, ich freute mich auf Spaghetti Bolognese (die hatte sie angekündigt) und sie sagte ganz stolz: „Ich mache auch extra für dich Low Carb Spaghetti!“ Ich war daraufhin natürlich ganz gespannt was sie da jetzt genau aus dem Hut zaubert. Als sie die Zucchini in die Hand nahm, war mir schon alles klar. Also sagte ich: „Ach, es gibt Zucchinistreifen Bolognese?“ und sie antwortete mir (mit einem Augenzwinkern): „Neeeiiin, das sind Low Carb Spaghetti, die schmecken wie echte!“ Ähm nein, schmecken sie nicht. Sie schmecken wie Zucchinistreifen, weil es welche sind. Hm.

Das Phänomen beobachte ich schon seit langer Zeit. Da auch ich ein Sklave meines Smartphones bin, bin ich oft auf Facebook unterwegs, wo ich mit vielen Sportlern und Athleten befreundet bin und die (was für eine Überraschung) sind die Meister des Sich-Selbst-Bescheißens. Das ist gar nicht negativ gemeint, sondern eher bewundernd. Die Kreativität bei Backwaren aller Art beispielsweise ist absolut erstaunlich. Im Grunde ist dies die logische Folge der Kohlenhydratpanik, die sich seit einigen Jahren in Broten, Kuchen und Keksen aller Art mit möglichst wenigen Zutaten bemerkbar macht. Auch ich bin ein Freund davon, Kohlenhydrate bewusst einzusetzen und interessiere mich für Alternativen, die geschmacklich in Ordnung sind. Langsam driftet dieser Kohlenhydratersatzwahn allerdings in eine skurrile Richtung ab. Plötzlich ist alles Weizen-, Gluten- und Zuckerfrei. Wenn ich aber gar kein Problem mit Gluten habe und mich nicht den ganzen Tag mit Weizenbrötchen vollstopfe, warum sollte ich das dann alles vermeiden? Weil es ungesund ist. Weil es dick macht. Machen 600 Gramm Reis am Tag übrigens auch. Und der Obstsalat am Abend. Hm.

Da lese ich also wieder unter dem Rezept für Kekse mit 3 Zutaten: Schmecken wie echte Schokokekse! Kann gar nicht sein, weil gar keine Schokolade drin ist, sondern Backkakao. Ist die Verzweiflung wirklich so groß, dass sich (erwachsene) Menschen sowas ernsthaft einreden? Warum steht unter diesen Keksen nicht einfach die Wahrheit: Schmecken ganz okay, kann man essen, wenn man einen Ersatz für echte Kekse unbedingt für seine Psyche braucht. Das wäre doch mal ehrlich! Und auch gar nicht schlimm. Hm.

Auch eine schöne Variante: Der Ersatz durch andere Lebensmittel. Ich backe mir also ein Brot mit 5 verschiedenen Nußarten, Hauptsache es ist kein Mehl drin. Das Ding ist schwer wie ein Ziegelstein und hat deutlich mehr Kalorien als ein normales Vollkornbrot, mehr Fett und genauso viele (wenn nicht noch mehr) Kohlenhydrate. Aber Nüsse sind ja gesund. Na und? Machen trotzdem dick in dieser Masse. Also, was habe ich jetzt gewonnen? Hm.

Wenn ich also gesund leben will (und damit heben sich die Sportler und Athleten ja immer lautstark vom üblichen Fitnesspöbel ab), warum ersetze ich dann alles durch Chemie? Flavedrops, künstliche Saucen und chemische Süßstoffe aller Art werden in Massen konsumiert nur um ein paar Kalorien zu sparen und den Geschmacksnerven das zu geben, wovon sie innerlich den ganzen Tag lang träumen. Ich kenne niemanden, der so perverse Schokoladentorten, Nutellaeimer und Kalorienbomben aller Art postet wie ein Sportler. Ich kann doch nicht schreiben, wie sehr ich den Lifestyle lebe und alles verteufeln was nicht mehr naturbelassen und verarbeitet ist und dann solche Sachen posten. Ist das nicht ein Widerspruch? Zeigt das nicht, dass Schlemmen in unserer Natur liegt? Ist es nicht so, dass wir eher darüber nachdenken sollten, Lebensmittel gezielt und bewusst einzusetzen und zu konsumieren, als uns ständig zu zügeln um danach im Fressflash völlig auszurasten? Hm.

Superfood ist der nächste Spaß. Ich sehe überall Chiasamen, Maca Pulver und Hanfsamen, die (oft sehr schön drapiert) als DIE gesunden Lebensmittel angepriesen werden. Stimmt ja auch. Sind gesund. Und sehr reichhaltig, hochkalorisch. Steht aber nicht da. Wie jetzt, 50g Chiasamen mit 100ml Kokosmilch mit Beerentopping haben ca. 500 kcal (nagelt mich jetzt nicht auf eine ganz präzise Zahl fest)? Das ist doch gesund!? Ja, sind aber trotzdem 500 kcal in der Bilanz mehr. Warum steht das nicht dabei? Warum wird das den Menschen, die sich mit Lebensmitteln und deren Nährwerten nicht auskennen, nicht kenntlich gemacht? Verkauft sich dann nicht mehr so gut, oder? Hm.

Die Frage ist doch folgende: Haben wir den Umgang mit Lebensmitteln verlernt? Sind wir Konsumenten, die sich in Gruppen aufteilen und alle anderen verurteilen? Sind wir immer und unermüdlich auf der Suche nach dem perfekten Ernährungsplan für uns und vergessen dabei, wie es intuitiv für uns am besten ist?

Ich bemerke seit vielen Jahren, dass Menschen zwar bereit sind, alle möglichen Alternativen auszuloten aber nicht in der Lage sind, die vorhandenen Lebensmittel bedarfsgerecht einzusetzen. Sich mit seiner Ernährung auseinanderzusetzen ist durchaus sinnvoll, sie in eine krankhafte Richtung zu lenken (und damit meine ich alle Mutationen, die sich im Laufe der Jahre gebildet haben) kann meiner Meinung nach nicht der richtige Weg sein. Vielleicht sollten wir einfach wieder lernen, auf unseren eigenen Körper zu hören und uns nicht die Ernährung anderer aneignen, die für uns selbst vielleicht gar nicht optimal ist. Und wenn man das nicht kann (oder will), dann sollte man sich fachmännischen Rat holen. Es gibt schon ein paar gute Ernährungscoaches da draußen, fragt die doch mal. Schließlich gibt man sonst auch für jeden Scheiß Geld aus. Hm.

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staatlich zugelassene Ernährungscoach B-Lizenz
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Diana Stark

Personal Trainerin & Leistungstrainerin A-Lizenz
Geschäftsführerin Elite Squad Personal Training
Dozentin für Fitnesstrainer B-Lizenz & Ernährungscoach  B & A-Lizenz

Kommentare:

  1. "Ich backe mir also ein Brot mit 5 verschiedenen Nußarten, Hauptsache es ist kein Mehl drin [..] Also, was habe ich jetzt gewonnen? Hm"

    Mögliche Antworten: Frische, keine Farbstoffe, keine Aromastoffe (die oft nicht angegeben werden müssen), die Möglichkeit beim eigenen Backen regionale Zutaten aus nachhaltigen Anbauflächen oder ein Korn aus einem Bio-Anbau zu verwenden und der daraus resultierende Geschmack.

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